Presseschau
"Ich rechne ab 2008 mit den ersten Dammbruch-Deals für Reits" - Interview mit Ulrich Höller, CEO DIC Asset AG
Immobilien Zeitung, 01.11.2007
Für Ulrich Höller, den Vorstandsvorsitzenden der DIC Asset, ist der
Zugang zu Fremdkapital der entscheidende Erfolgsfaktor, um in Zeiten
der Subprime-Krise weiterhin erfolgreich einkaufen zu können. "Jetzt
trennt sich die Spreu vom Weizen", ist er überzeugt.
Immobilien Zeitung: Herr Höller, auf der Leitmesse Expo Real konnte man
in der Branche eine gewisse Orientierungslosigkeit spüren. Subprime hat
dem Transaktionsboom und der allgemeinen Preisexplosion ein abruptes
Ende beschert. Viele scheinen dennoch darauf zu hoffen, dass sich die
Lage bald normalisiert und die Party weitergeht. Was ist Ihre Prognose?
Ulrich Höller: Ich glaube nicht, dass die Finanzkrise ein kurzfristiges
Phänomen ist. Wer glaubt, dass die Party spätestens im Januar
unverändert weitergeht, täuscht sich. Wir sind in eine weitere
Entwicklungsstufe des Marktes eingetreten. Die Spreu trennt sich vom
Weizen, die Branche orientiert sich neu. Ab jetzt wird auch
Konsolidierung den Markt prägen.
IZ: Was meinen Sie mit Konsolidierung?
Höller: Es wird Fusionen und Übernahmen bei Immobilien-AGs geben, die
die kritische Größe von 500 Mio. Euro Marktkapitalisierung nicht
erreichen. Auch die Übernahme einer deutschen Immobilien-Gesellschaft
durch einen ausländischen Wettbewerber ist denkbar.
IZ: Am Transaktionsmarkt scheint momentan weitgehend Stillstand eingekehrt.
Höller: Das stimmt ja nicht so ganz. Unter anderem haben auch wir ja
vor 14 Tagen für 320 Mio. Euro ein Immobilienpaket von AXA/DBV
Winterthur übernommen. Grundsätzlich haben Sie aber Recht, dass sich
der Markt deutlich beruhigt hat.
Unsere Transaktion wurde klassisch mit Hypothekendarlehen über rund
5,3% langfristig finanziert. Wir haben allerdings auch in der größten
Boomphase niemals Verträge für Portfolios unterschrieben, ohne dass die
Finanzierung bei Vertragsabschluss nachhaltig gesichert war. Im
Gegensatz dazu haben sich viele in den letzten Jahre erst zwischen
Signing und Closing den Kredit besorgt. Das waren die Zeiten, als
derjenige den Deal bekam, der am meisten daran interessiert war -
Finanzierungen waren anscheinend ein nachrangig zu lösendes Problem.
Das ist heute nicht mehr so, und das macht den Immobilienmarkt für uns
heute so spannend und interessant, viel interessanter als in den
letzten Jahren.
"Preise sind wegen Subprime um 5% bis 15% gesunken"
IZ: Sind Immobilien seit der Subprime-Krise wirklich durchweg billiger geworden?
Höller: Ja, binnen vier Monaten sind die Kaufpreise zwischen 5% und 15%
gesunken, teilweise allein deshalb, um die gestiegenen
Finanzierungskosten aufzufangen. Diese Preiskorrektur, verbunden mit
dem geringeren Wettbewerb hoch fremdfinanzierter internationaler
Käufer, spielt uns in die Hände.
Es gibt viele interessante Chancen am Markt, es werden jedoch nur
relativ wenige realisiert, da die Finanzierungsquellen verstopft sind.
Der Wettbewerb ist wesentlich weniger auktionsgetrieben als vorher. Es
wird künftig wieder mehr Off-Market-Transaktionen geben - unser
Spezialgebiet. Ich sehe für die kommenden zwölf Monate sehr attraktive
Kaufchancen. Und wir sind munitioniert, um bei der kommenden
Marktkonsolidierung eine aktive Rolle zu spielen.
IZ: Aber die Kreditklemme geht doch sicher auch an der DIC Asset nicht spurlos vorbei?
Höller: Viele Wettbewerber sind inzwischen nicht mehr am Markt aktiv.
Dieser Ausleseprozess ist grundsätzlich gut, denn jetzt kommt es
stärker auf Nachhaltigkeit und Substanz an als vorher. Wir können uns
auch vorstellen, die Eigenkapitalquote bei unseren Käufen und in
unserem Unternehmen zu erhöhen. Aktuell liegt die Quote in der DIC
Asset bei knapp 30%. Das ist bereits ein guter Wert, um weitere
Investitionen finanziert zu bekommen. Der Zugang zu Fremdkapital ist in
der aktuellen Marktphase das A und O und wird durch eine starke
Eigenkapitalbasis gefördert.
IZ: Um die Eigenkapitalquote auch bei Zukäufen zu halten, müsste sich
die DIC Asset frisches Geld besorgen. Aber die Börse ist momentan nicht
gerade euphorisch in Bezug auf Immobilienaktien.
Höller: Für Kapitalmaßnahmen etablierter Player mit einer hohen
Glaubwürdigkeit bestehen nach wie vor Chancen. Wer allerdings neu an
den Kapitalmarkt gehen will, dem würde ich abraten. Das ist sicherlich
auch ein Grund dafür, dass es dieses Jahr noch keinen Reit-Börsengang
gegeben hat.
IZ: Das zuvor heißersehnte Reit-Segment wird zurzeit ja ohnehin mehr
bekrittelt als bejubelt. Ist das Ihrer Meinung nach Nörgelei oder
berechtigter Pessimismus?
Höller: Der deutsche Reit kann wegen der Korrelation mit der
Unternehmensteuerreform erst im kommenden Jahr so richtig zünden. Dann
sind nämlich große Immobilienverkäufe von Unternehmen finanziell
deutlich günstiger machbar. Ich bin sicher, dass es 2008 mit dem
deutschen Reit richtig losgeht. Es wird bei der Freisetzung von
Unternehmensimmobilien einige "Dammbruch-Deals" geben, die ähnlich wie
vor Jahren am Wohnungsmarkt sowie später nachfolgend auch am
Gewerbeimmobilienmarkt weitere Verkäufe nach sich ziehen werden.
Zusätzliche Impulse wird die Verkürzung der Frist bringen, die
Immobilien gehalten werden müssen, damit sie unter Nutzung der Exit-Tax
verkauft werden können. Die liegt jetzt bei nur noch fünf Jahren. Das
erweitert den Kreis potenzieller Verkäufer weit über die klassischen
Non-Property- Unternehmen hinaus.
"Einige Börsengänge waren überteuert"
IZ: Immobilienaktien haben sich seit Mitte dieses Jahres von der
positiven Entwicklung des DAX abgekoppelt und notieren teilweise wieder
unter Substanzwert. Womit lässt sich die Gunst der Anleger
wiedergewinnen?
Höller: Das aktuelle Börsenklima ist ohne Zweifel schwierig, aber auch
in der Boomphase wurden Fehler gemacht. Nicht alle Produkte, die man
2006 versuchte, über die Börse zu platzieren, haben und hätten dem
Markt gutgetan. Einige Börsengänge wurden erfolgreich durchgeführt,
waren aber sicherlich überteuert. Andere möchte ich als unreife
Produkte ohne tragfähige Story bezeichnen.
Wer heute Investoren überzeugen möche, muss beweisen, dass er seine
Wertschöpfung wirklich aus der Immobilie heraus erzielt. Man muss echte
Gewinne ausweisen - differenziert nach Mieterträgen und Verkaufserlösen
-, anstatt die Gewinnrechnung überwiegend oder sogar ausschließlich mit
Aufwertungen auf den Bestand zu speisen.
Und man sollte Informationen über Leerstandsquoten und deren Abbau
publizieren. Daraus kann man die nachhaltige Tragfähigkeit eines
Geschäftsmodells ablesen. Diese Zahlen bilden in den kommenden Jahren
ein klares Indiz dafür, wer in seinen Beständen wirklich Mietwachstum
und Leerstandsabbau realisieren kann. Mit diesem Punkt kann man
substanzielle Qualität nachweisen und Glaubwürdigkeit gewinnen.
IZ: Vielen Dank für das Gespräch!
Das Interview führte Monika Leykam.
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