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Presseschau

Für die Oberbürgermeisterin ist die neue Zentralbibliothek "überwältigend schön" / Nach Eröffnung heute erster Besuchertag

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.09.2007

Babel an der Hasengasse

Es hat gestern bei der Eröffnung der Zentralbibliothek im Haus Hasengasse 4 keinen gegeben, der nicht von dem neuen "Büchertempel" geschwärmt hätte. "Überwältigend schön" nannte Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) den vom Architekturbüro KSP konzipierten Umbau der einstigen Filiale der Frankfurter Sparkasse. Leider war kein Vertreter der Unesco unter den Gästen. Er hätte nach Paris ins Sekretariat reportieren können, dass Frankfurts neue Vorzeige-Bücherei alle Anforderungen spielend erfüllt, welche die Weltkulturorganisation an eine öffentliche Bibliothek stellt.

Der Landtagsabgeordnete Aloys Lenz (CDU), ein hartnäckiger Kämpfer für das Bibliothekswesen, hat die Unesco-Kriterien in seiner klugen Rede aufgezählt. "Zentral gelegen" - die Zentralbibliothek befindet sich mitten in Frankfurts Innenstadt. "Leicht zugänglich" - die neue Bücherei ist für jedermann offen und barrierefrei ausgestattet. "Vernünftige Öffnungszeiten" - mit der Hinzunahme des Montags hat die Zentralbibliothek ihre Öffnungszeiten erweitert und empfängt Besucher an Werktagen von 11 bis 19 Uhr, samstags bis 16 Uhr. "Direkter Zugang zu den Regalen" - im neuen Gebäude ist dies ohne Einschränkung möglich. "Ansprechend, bequem und freundlich" - das geschickt umgebaute Fünfziger-Jahre-Gebäude erfüllt diese Kriterien ohne Zweifel.

Wären alle Bibliotheken so opulent untergebracht und so gut ausgestattet, es stünde wohl besser um die Lesekultur in Deutschland. Lenz bescheinigte der neuen Zentralbücherei einen Vorbildcharakter, und den Entschluss der Stadt Frankfurt, in ihr Büchereiwesen zu investieren, nannte er ein "bildungspolitisches Signal". Ob andere hessische Städte es hören? Lenz zufolge gibt es im Hinblick auf das Büchereiwesen in Hessen noch einiges zu tun, vor allem in Nordhessen.

Bürgermeisterin Jutta Ebeling (Die Grünen) hat gestern geschwiegen - und das Lob ihrer Oberbürgermeisterin genossen. Vor noch nicht allzu langer Zeit sollte Ebeling ein Sparprogramm exekutieren und Büchereien schlie§en. Die CDU wollte damals neben der Zentralbibliothek nur noch je eine Stadtbücherei im Norden, Süden, Osten und Westen erhalten, die SPD die Zentrale ganz aufgeben und dafür alle Stadtteilbüchereien retten. Die Bildungsdezernentin hat einen fast goldenen Weg gefunden, indem sie für die Zentralbibliothek ein neues Gebäude besorgt hat, das eine Million weniger Miete im Jahr kostet als die alte Zentrale an der hinteren Zeil. "Sparprogramm erfüllt, Büchereiwesen verbessert", kann sie jetzt melden.

Die neue Zentralbibliothek, daran erinnerte die Oberbürgermeisterin, ist ein PPP-Projekt - verwirklicht in einer Kooperation der Kommune und des Privatinvestors Deutsche Immobilien Chancen. Für deren Vorstandsvorsitzenden Ulrich Höller stellt die Umwandlung des Bankgebäudes zu einer Bibliothek die "Initialzündung" für die Weiterentwicklung des Areals südlich der Zeil dar.

Vielleicht findet die Lyrikerin Silke Scheuermann, die gestern einen hinreißenden Festvortrag gehalten hat, dann eine Wohnung gegenüber dem "Babel an der Hasengasse". Als die Zentralbibliothek ihren Sitz noch an der hinteren Zeil hatte, war ihr einst ein Domizil in einem Haus genau auf der anderen Straßenseite angeboten worden. Der Blick auf die Bücherei, so erzählte Scheuermann, hat sie enorm gereizt. Allerdings befand sich im Erdgeschoss ein Döner-Laden. "Wir würden dann aber wirklich dauernd nach Döner riechen", warnte sie ihr Freund. So hat die Dichterin dem Makler abgesagt - und ist an diesem Eröffnungstag froher darüber denn je. Vielleicht bietet ihr Höller ja jetzt eine Wohnung gegenüber dem neuen Bücherparadies an.

HANS RIEBSAMEN



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