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Presseschau

Bürotürme und Wohnungen auf dem Degussa-Areal

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.03.2007

Von Matthias Alexander

Das Degussa-Areal am Main soll vom nächsten Jahr an völlig neu bebaut werden. Einzelheiten des Projekts mit dem Namen „Main-Tor“ haben die Eigentümer des Grundstücks am südlichen Rand der Innenstadt, die Frankfurter DIC-Gruppe und der Morgan Stanley Real Estate Funds, gestern erstmals öffentlich vorgestellt. Als Kern der Neuentwicklung ist ein rund 150 Meter hoher Turm in der Mitte des etwa zwei Hektar großen Blocks vorgesehen. In den obersten acht Etagen des Turms sollen hochwertige Wohnungen untergebracht werden, die restlichen Stockwerke sind für Büros vorgesehen.

Das städtebauliche Konzept, das von Büro KSP Engel und Zimmermann erarbeitet wurde, sieht eine Öffnung des Areals zur Umgebung hin vor. Bisher präsentiert sich das Quartier zwischen Main, Neuer Mainzer Straße, Weißfrauenstraße und Seckbächer Gasse als nahezu hermetischer Block. Künftig sollen Gassen in Nord-Süd- und in Ost-West-Richtung attraktive Wegeverbindungen schaffen.

Kulturelle Einrichtungen als Magnet

Ein zweites, kleineres Büro-Hochhaus soll gegenüber vom Haus der Schweizer National entstehen, um mit diesem eine Torsituation zu bilden. Beide Hochhäuser waren auch im Entwurf des Stadtplaners Jochem Jourdan für den neuen Hochhausrahmenplan enthalten. Jourdan hält in der Mitte des Areals sogar einen Turm von 180 Metern für verträglich. Die DIC und ihr Architekt Jürgen Engel haben sich dagegen am benachbarten Eurotower orientiert, der 148 Meter hoch ist.

Der KSP-Entwurf sieht eine Bruttogeschossfläche von gut 100.000 Quadratmetern vor. Derzeit sind es etwas mehr als 70.000. Mehr als 20.000 Quadratmeter sollen für Wohnraum genutzt werden, kündigte der DIC-Vorstandsvorsitzende Ulrich Höller an. Außer in der Spitze des Turms sollen die Wohnungen am östlichen Rand des Quartiers entstehen, also zum Karmeliterkloster hin. An der Neuen Mainzer Straße und an der Mainuferstraße sei es für eine Wohnnutzung zu laut.

Am Fuß des Hochhauses soll ein Platz entstehen, der nach den Vorstellungen der Planer an sieben Tagen in der Woche belebt sein soll. Gastronomie und eine kulturelle Einrichtung sollen als Magneten wirken. Die Flächen links und rechts des Hermann-Schlosser-Hauses am Untermainkai sollen nicht bebaut werden, um die Wirkung des denkmalgeschützten Gebäudes nicht zu beeinträchtigen. Dahinter sollen drei Solitärbauten aufragen.

„Sehr konkrete Entwicklungspläne“

Mit den Bauarbeiten könnte in der zweiten Jahreshälfte 2008 begonnen werden, äußerte Höller. Innerhalb von fünf Jahren solle die gesamte Neubebauung der Fläche abgeschlossen werden, die Investitionssumme liege bei rund 500 Millionen Euro. Höller bekräftigte die Entschlossenheit seines Unternehmens, das Projekt anzugehen. „Wir bieten der Stadt eine sehr konkrete Entwicklungsperspektive“, sagte er in Anspielung auf die vielen Hochhausplanungen, die bisher nicht realisiert worden sind.

Die zusätzliche Ausnutzung von gut 40 Prozent sei notwendig, damit sich das Vorhaben lohne. Höller wies darauf hin, dass die jetzigen Eigentümer, die das Areal Ende 2005 von der Degussa erworben hatten, nicht unter Handlungsdruck stünden. Die Degussa habe einen langjährigen Mietvertrag unterschrieben. Er sieht vor, dass die rund 1000 Degussa-Mitarbeiter bei Bedarf auf dem Areal so umziehen müssen, dass eine Neubebauung möglich ist.

Jochem Heumann, planungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, sagte, nun müsse geprüft werden, ob die Rahmenbedingungen für ein Hochhaus an dieser Stelle erfüllt seien. Wenn diese Frage bejaht werde, müsse geklärt werden, welcher Standort innerhalb des Quartiers am besten für einen Turm geeignet sei. Heumann fügte hinzu: „Wenn in dem Hochhaus in erheblichem Umfang Wohnungen untergebracht werden, erhöht das die Akzeptanz deutlich.“

Zunehmende Verhandlungsbereitschaft

„Der Standort wird gemeinsam mit den anderen Vorschlägen im Entwurf des Hochhausrahmenplans geprüft werden“, sagte Stefan Majer, planungspolitischer Sprecher der Grünen. Konkretere Angaben wollte er nicht machen. Die Grünen hatten im November 2005 einen Antrag vorgelegt, in dem gefordert wurde, den Wohnanteil auf 40 Prozent der Grundfläche festzulegen. Neue Hochhausstandorte seien nicht vorzusehen, hieß es in der Vorlage, die auch mit den Stimmen von CDU und SPD angenommen wurde. Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) hatte sich anfangs ablehnend zu der Frage geäußert, ob ein großes Hochhaus erlaubt werden dürfe.

In der vorigen Woche, bei der Präsentation des Jourdanschen Entwurfs für den neuen Rahmenplan, hat sich der Planungsdezernent verhandlungsbereiter gezeigt. Volker Stein, Fraktionsvorsitzender der FDP, äußerte sich begeistert über den Entwurf Engels. Die Stadt solle das Vorhaben durch rasche Beschlüsse fördern. Für die SPD sagte der Fraktionsvorsitzende Klaus Oesterling, man werde den Vorschlag der Investoren zusammen mit den übrigen Ideen des neuen Rahmenplans bewerten. Vieles deute darauf hin, dass bei Schwarz-Grün alle planungspolitischen Dämme brächen.



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